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Leutmannsdorf Kreis Schweidnitz
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Der Amtsbezirk Leutmannsdorf  (ca. 1886)

Leutmannsdorf ist ein langes, von Südwesten nach Nordosten sich hinziehendes Dorf, das etwa 11 Kilometer südöstlich von Schweidnitz entfernt liegt und aus Ober-Leutmannsdorf, L. Bergseite und L. Grundseite und Nieder-Leutmannsdorf besteht. Jeder Anteil bildet eine Gemeinde für sich. Die Zahl der Bewohner des ganzen Dorfes, von denen ein großer Teil durch Baumwollenweberei sich den oft kärglichen Lebensunterhalt erwirbt, beläuft sich auf 4228. Der Ort wird seiner ganzen Länge nach von dem Leutmannsdorfer Wasser durchflossen. Im Dorfe befinden sich 9 Wassermühlen, darunter 4 Sägemühlen. Außerhalb desselben liegen 2 Förstereien, 2 Ziegeleien, die Walkmühle und die der Stadt Schweidnitz gehörige Brettschneidemühle am Milmichbache. Diese Mühle hat das größte Wasserrad Schlesiens mit 11,25 m Durchmesser.

Die katholische Pfarrkirche auf der Bergseite ist in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts von den Gebrüdern Christian und Heinrich Atze auf Stoschendorf, Kr. Reichenbach und Pezold v. Betschow auf Ruppersdorf, Kr. Jauer gestiftet und 1348 dotiert worden. Erstere besaßen hier die Bergseite, letzterer die Grundseite. Die evangelische Kirche auf der Grundseite wurde 1742 erbaut. Leutmannsdorf hat 3 evangelische Schulen und 1 katholische; letztere zählt 2 Lehrer und 127 Kinder. In den evangelischen Schulen unterrichten 6 Lehrer ungefähr 700 Kinder.

Leutmannsdorf hat seinen Namen von seinem Erbauer und ersten Grundherrn, dem tapferen Ritter Luzmann, der im Jahre 1241 an der Schlacht bei Wahlstatt gegen die Tartaren teilnahm. Das Dorf bestand früher aus 3 Anteilen: Bergseite, Grundseite und Klein-Leutmannsdorf und hatte 3 Vorwerke: Grundhof, Niederhof und Friedrichshof. 1672 besaß sämtliche Anteile Ernst Gottfried von Berg und Wernersdorf. Der Vormund aber von dessen unmündigen Kindern, George Siegemund von Tschirnhaus vertauschte 1677 alle Anteile von Leutmannsdorf an den Magistrat zu Schweidnitz gegen das Dorf Heinrichau im Kreise Waldenburg. Im Jahre 1800 wurden die 3 Vorwerke als freie bürgerliche Erb-Lehn-Zinsgüter verkauft und die Stadt behielt nur den etwa 2500 Morgen großen Wald, den sie heute noch besitzt.

In der Nähe der sogenannten Totenbuche steht im Walde ein aus rotem Sandstein gefertigter, etwa 1 Meter hoher Denkstein mit 2 gekreuzten Schwertern und der Inschrift: "Den 22. Juli 1762" als Erinnerungszeichen an die hier beerdigten Kroaten, die am Tage zuvor, als der preußische General v. Wied die Höhen bei Leutmannsdorf erstürmte, gefallen waren. Ein anderes Monument aus Sandstein, das Wilhelms-Denkmal, befindet sich auf dem Tartschenberge oder der Wilhelmshöhe. Dasselbe wurde im Jahre 1862 von den Gutsbesitzer Gottlob Langer'schen Eheleuten gestiftet zur Erinnerung an die am 14. Juli 1861 erfolgte glückliche Errettung Sr. Majestät des Königs Wilhelm aus Todesgefahr. Das Denkmal kostet ungefähr 15.000 Mark.

Groß-Friedrichsfeld wurde im Jahre 1800 auf den Feldern des Friedrichshofes, der sogenannten Schafwiese angelegt und hat 279 Einwohner, die sich größtenteils mit Barchendweberei beschäftigen. Die evangelische Schule mit 1 Lehrer zählt 48 Kinder.

Die Kolonie Klein-Friedrichsfeld entstand bald nach der Gründung des vorgenannten Ortes auch auf den Feldern des Friedrichshofes. Die Einwohnerzahl derselben beträgt 289.

Klein-Leutmannsdorf, gewöhnlich Hundsfeld genannt, hat 93 Einwohner. Der Ort wurde im 30jährigen Krieg vollständig verwüstet und erst 1698 wieder aufgebaut.

Quelle: Eduard Gröger, Der Kreis Schweidnitz nach seinen physikalischen, statistischen und topographischen Verhältnissen

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