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Leutmannsdorf Kreis Schweidnitz
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Hexenglauben und Hexenverfolgung in Schlesien

Die Hexenprozesse haben längst aufgehört, der Hexenglaube aber erhielt sich in Schlesien bis ins zwanzigste Jahrhundert. Da gab es in Georgendorf bei Steinau im Kreis Wohlau eine Hexe – so erzählten sich jedenfalls die Leute – welche mit einem Stellenbesitzer verheiratet war. Sämtlichen Kühen im Dorf zog sie Sahne aus dem Euter. Wenn die Mägde oder die Bäuerinnen selbst melkten, erhielten sie nur dünne, bläuliche, fettlose Milch. Niemand im Dorf wusste aber wie es kam, das die Kühe so eine schlechte Milch gaben. Einmal stand diese Frau, welche sich der Kunst des Hexens verstand vor dem Butterfass und jedesmal wenn sie den Stiedel – den Stiel mit der Holzscheibe daran – im Faß hinunter stieß, sagte sie dazu: „Os jed’m Hos an Baun.“ – Aus jedem Hause eine Bohne! – Da wurde die Frau mitten aus dem Buttern weg gerufen. Sie gebot der Magd, die Arbeit des buttern fort zu setzen. Aber die Magd war ein „a wing tumm“, sie hatte jedenfalls nicht richtig hin gehört, um verstehen zu können, was die Frau beim Buttern gesagt hatte. Deshalb – da sie den Butterstiel ergriff – sagte sie: Os jed’m Hos a Zaubr“ – aus jedem Haus ein Zuber. Als die Frau zurück kam und den Spruch der Magd hörte, erschrak sie sehr und sagte: „um des Himmels Willen, du machst ja den Leuten die Küh zu Schaden. Du sullst ju bluß suin: „Os jed’m Hos an Baun!“ Die Magd hat das ausgeplaudert, und nun wusste es das ganze Dorf warum die Kühe nur immer blaue Milch gaben. 

In Leutmannsdorf im Kreis Schweidnitz geschah es noch während der ersten drei Jahrzehnte unseres Jahrhunderts, dass die Jungen beim Schlittenfahren immer an einer ganz bestimmten Stelle umkippten. Und als wieder einer der Schuljungen mit seinem Schlitten den Berg hinunter fuhr und mit dem Schlitten an der bewussten Stelle umkippte, stieß er versehentlich tief mit seinem Finger in die Erde. Nachdem er ihn wieder hinaus gezogen hatte, sah er, das der Finger blutig und aufgerissen war. Seitdem erzählten sich die Einwohner von Leutmannsdorf, diese Stelle – wo die Kinder ständig mit dem Schlitten umkippten – sei verhext und das der Finger des Jungen, den er so blutig aus der Erde gezogen hatte, von einer Hexe angebissen worden sei. Seit jener Zeit hörte das Schlittenfahren an diesem Berg gänzlich auf. Da der Ort nach dem Glauben der Dorfbevölkerung verhext war, wollte sich dort kein Junge mehr mit dem Schlitten tummeln. 

In Stanowitz im Kreis Schweidnitz – es hieß zuletzt Standorf – gab es einen Müller, welcher der Aumüller hieß. Ihn plagte – auch in unserem Jahrhundert noch – schrecklich „doas Reißa“, Rheumatismus. Nichts, was er gegen die Krankheit auch unternehmen mochte half ihm, seine Schmerzen los zu werden.  Und wann ist der Aumüller das Reißen wieder losgeworden? Da hat er doch immer hinter einer  - einer Frau die er offenbar gerne mochte – zum Spaße hergerufen. Und diese Frau hatte ihm zurück gerufen, er werde noch an sie denken. Sie also war es nach dem Glauben des Aumüllers unzweifelhaft, die ihn mit Zauberkraft von der Krankheit geheilt hat. So hat es der Aumüller oft im Kretscham erzählt.

In Gläsen im Kreis Leobschütz – so erzählt man sich dort – soll es eine Frau – die Simon Therese – gegeben haben, die sich aufs Hexen verstand. Wenn es arme Kleinbauersleut gab im Dorf, die von ihrer magren Kuh zu wenig Butter hatten, dann ging die Simon Therese zu ihnen und butterte selbst. Zuvor aber zog sie aus dem Wagen, der gerade draußen auf dem Hof stand, den Virstecker heraus und fuhr mit diesem, und fuhr so schmutzig er auch war, dreimal um das Butterfass herum. Dann schlug sie mit dem hölzernen Butterschlegel noch ein paar mal und im Handumdrehen war soviel Butter im Butterfass, wie die armen Kleinbauersleut im Leben noch nie gesehen hatten.

Quelle: Aus den schlesischen Gebirgsboten von Heinz Kulke in den Ausgaben 1.8. – 20.8.1968
Zur Verfügung gestellt von Reiner Tannhäuser

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